6. Europäische Strategietage in Baden-Baden: 50plus
12.06.2008

 



Der Kunde der Zukunft - Trendzielgruppe oder Zentrum jeder Wachstumsstrategie?


Je lauter Wissenschaftler und Politiker vor einer Überalterung der Gesellschaft warnen, desto weniger scheint die Wirtschaft auf die Folgen dieser Entwicklung eingestellt zu sein. Und wer doch gezielt ältere Kunden sucht, tappt leicht ins Fettnäpfchen. Denn kaum ein älterer Mensch möchte ein Senior sein. Auf den 6. Europäischen Strategietagen in Baden-Baden am 5. und 6. Juni 2008 wurde daher nach Wegen gesucht, die Generation 50plus erfolgreich anzusprechen.

Wie lassen sich Kundenbeziehungen erfolgreich gestalten und wie entsteht daraus Profit? Auch dieses Jahr sorgten die Hauptsponsoren arvato infoscore und Global Group für ein zweitägiges Programm mit Gästen aus Wirtschaft und Wissenschaft, Marketing und Marktforschung, die vielfältige Antworten auf diese Fragen gaben. Knapp 40 Referenten und 300 Besucher diskutierten in Vorträgen und Workshops über die – zumindest nach Lesart der Werbeagenturen – „hoffnungslosen Fälle“. Gemeint sind Menschen über 50, die zwar zahlreich und kaufkräftig sind, sich aber angeblich nicht mehr für neue Produkte erwärmen lassen. Die Folgen sind ernüchternd. Ältere Menschen werden in Spots und Anzeigen häufig belächtelt, eine ernsthafte Ansprache findet kaum statt. Zu wenige Unternehmen machen den Versuch, Produkte und Werbung dem demografischen Wandel anzupassen sowie veränderte Bedürfnisse ihrer Kunden genau zu untersuchen. Der Begriff der „alternden Gesellschaft“ ist bislang eher negativ besetzt. Dass es auch positiv geht, bewiesen die 6. Europäischen Strategietage. Unter dem Motto „50plus – der Kunde der Zukunft“ stellte die Baden-Badener Tagung dem antiquierten „Seniorenteller“ Möglichkeiten und Potenziale einer Generation gegenüber, die schon bald die Mehrheit in Deutschland stellt. 

Generation 50plus ist durchaus als Zielgruppe erreichbar

„In Zukunft ist die Mitte des Marktes älter.“ Diese Erkenntnis von Marcus Schögel aus St. Gallen kann als inoffizielles Fazit der 6. Europäischen Strategietage gelten. Unternehmen müssen sich daher auf eine betagtere Kundschaft einstellen. Wer diesen Wandel nicht aktiv mitgestaltet, verliert schnell den Anschluss. Dabei sahen die meisten Referenten Potenziale insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Reisen. Die Baden-Badener Tagung zeigte zudem, dass die Generation 50plus entgegen dem Verdikt der Werber durchaus zu erreichen ist – vorausgesetzt freilich, Unternehmen nehmen sie ernst. Wer die Bedürfnisse in seinen Produkten aufgreift und Möglichkeiten eines aktiven Lebens im Marketing betont, kann qualitativ hochwertige Produkte teuer verkaufen und gewinnt damit außerdem treue Kunden. Wer dagegen ein Seniorenhandy mit drei Tasten anbietet, darf sich über Misserfolg nicht wundern. Hier fühlen sich die Kunden zu Recht „für dumm verkauft“.

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